Tour Karl-Marx-Allee

Die heutige Karl-Marx-Allee hat in der Regierungszeit der DDR nicht nur einige Umgestaltung, sondern auch Umbenennungen erfahren. Nach dem Krieg als Frankfurter Allee bekannt, wurde sie zunächst zur "Stalinallee", bis nach Stalins Tod 1961 der finale Name "Karl-Marx-Allee" festgelegt wurde. Es lassen sich zwei Hauptphasen des Bauens unterscheiden, in denen ein Straßenzug mit Modellcharakter in Bezug auf Wohnungsbau und räumliche Anordnung entstehen sollte. Später kam als zusätzliche Neuerung die Technik des gerade entwickelten Plattenbaus hinzu. Vorangehen sollte eine nur kurze Phase mit Orientierung am sozialen Wohnungsbau der Vorkriegszeit.

Das kurz nach der Staatsgründung erlassene "Gesetz über den Aufbau der Städte der DDR und der Hauptstadt Deutschlands, Berlin" ermöglichte großflächige Enteignungen privater Grundstücke und damit ein im Vergleich zum Westen rasches stadtplanerisches Vorgehen. Die Neubebauung der stark zerstörten Allee konnte so bereits 1949 unter der Leitung Hans Scharouns beginnen. Im Zuge zunehmender Orientierung entlang sowjetischer Vorgaben und dem Beginn des Kalten Krieges wandelten sich jedoch die Vorstellungen der Form und Aussage von Architektur. So wandte man sich relativ schnell von Scharouns noch den Idealen der Vorkriegszeit verpflichteten Ideen des sozialen Wohnungsbaus ab (die zwei realisierten Häuser markieren auch heute noch die ersten Baubestrebungen auf Höhe der Karl-Marx-Allee 102-104 sowie 126-128).

Zwischen 1951 und 1957 entstanden nun nach sowjetischem Vorbild die Arbeiterpaläste entlang der Stalinallee mit ihren historistischen Formen und großem Wohnkomfort. Weithin sichtbares Wahrzeichen sind auch heute noch die Ecktürme am Frankfurter Tor, die den Türmen des Deutschen und Französischen Doms am Gendarmenmarkt nachempfunden sind.

Das "Zentrum" des zweiten großen Bauabschnittes der nun "Karl-Marx"-Allee entstand zwischen 1959 und 1964 nach den Entwürfen Josef Kaisers und Werner Dutschkes. Im Abschnitt zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz wurden nicht nur symmetrisch zur Straße angeordnete Wohnhäuser konzipiert, deren Dimensionen an den älteren Bauabschnitt I am Frankfurter Tor erinnern (und deren Charakter unter der neuzeitlichen Wärmedämmung nur noch unzureichend erkennbar ist). Die Architekten planten zusätzlich eine Flaniermeile, deren zahlreiche Geschäfte in gesonderten, den Hochhausscheiben entgegengesetzten Flachpavillons untergebracht wurden. Zum neuen Zentrum wurde durch die Ballung der für die Gemeinschaft geplanten Bauten und Grünflächen der Platz um Kino International, Café Moskau sowie ehemals Interhotel Berolina (heute Rathaus Mitte).

Einen schönen Überblick gibt auch dieses Video aus der "Zeit"-Redaktion.

Klick auf den Gebäudenamen, um es auf der Karte anzuzeigen.